Leseprobe "Tausche Schwester gegen Zimmer"
Mit Papa stimmt was nicht!
Etwas war anders als vorher. Erst mal war es komisch, dass Papa neuerdings abends öfter unterwegs war. Außerdem hat er plötzlich angefangen, vor sich hin zu pfeifen. Und als Justus eine Sechs in Mathe mitbrachte, hat er gar nicht geschimpft.
»Mathe, wer braucht schon Mathe, was ist denn Mathe, Mathe ist doof«, hat er gesungen, Justus zum Trost ein Eis aus dem Gefrierschrank geholt und gesagt, dass auch die ganz großen Erfinder der Welt in der Schule schlecht gewesen wären.
Justus hat gesagt, er will überhaupt nichts erfinden, sondern ein berühmter Sportler werden. Papa hat gesagt, dann sieht die Sache sowieso ganz anders aus und Justus braucht sich überhaupt nicht mehr anzustrengen, denn ob Boris Becker und Michael Schumacher und all die ganzen anderen Superstarsportler rechnen können, weiß Papa nicht. Weil sie das, was sie machen, richtig gut können und es egal ist, ob sie rechnen können oder nicht. Dann hat Papa Justus auf die Schulter geklopft und ist singend aus der Küche gegangen. Justus und ich haben uns angeguckt.
»Ich glaube, mit Papa ist ernsthaft was nicht in Ordnung«, hat Justus gesagt. Ich glaubte das auch.
Und an dem Mittwoch, an dem alles angefangen hat, da ist der absolute Knüller passiert! Papa kam vom Ein-kaufen zurück. Als er anfing, in der Küche die Tüten auszuräumen, und nicht so aussah, als ob er noch ein-mal zum Auto gehen wollte, habe ich ihn gefragt:
»Wo ist eigentlich Snatch?«
Papa hat mich mit aufgerissenen Augen angestarrt und den Sack mit Kartoffeln, den er gerade in die Kartoffel-kiste legen wollte, fallen gelassen. Der Sack ist aufgeplatzt und die ganzen Kartoffeln sind durch die Küche gerollt. Papa ist, ohne etwas zu sagen, aus der Küche gestürzt und aus dem Haus gerannt. Denk dir, er hatte doch tatsächlich Snatch, der vor dem Geschäft angebunden war und auf ihn gewartet hatte, vergessen! Kurze Zeit später ist Papa mit Snatch zurückgekommen. Papa hat zerknirscht geguckt und Snatch sauer. Sonst ist es immer umgekehrt.
Abends nach dem Essen hat Papa gesagt, er muss jetzt mal mit uns reden. Sofort. Da war es schon neun. Julius war sauer, weil er den Schluss vom Krimi verpassen würde. Ich fand das aber klasse, so konnte ich nämlich länger aufbleiben. Wir haben uns auf die Sofas im Wohnzimmer verteilt und Papa angesehen, der auf dem einzigen Sessel saß. Und dann hat Papa angefangen zu erzählen.
»Also, ich hab da jemanden kennengelernt…«, sagte er.